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WAKKER Gallery (II): ANNA-LISA THEISEN, MOTH BLACK, 2014

8. Dezember 2016 – 2. Februar 2017

Anna-Lisa Theisen reflektiert in ihren Arbeiten die (negativen) Auswirkungen menschlichen Handelns auf verschiedene Ökosysteme. Fragile Lebensräume wie Wälder, Korallenriffe oder die Welt der Insekten erscheinen darin als existenziell bedroht und auch die Lebenswelt des Menschen selbst bleibt von den Folgen des Klimawandels nicht verschont. Theisens Werke legen auf ernüchternde Weise den Schluss nahe, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Natur letztlich unversöhnlich bleibt und die Erde nachhaltig bedroht ist. Andererseits können Theisens Arbeiten auch als Aufruf zum Engagement gegen den Klimawandel und für Artenschutz und Diversität gelesen werden.
Für ihre Werke verwendet Theisen eine Vielzahl künstlerischer Medien und Methoden – von traditioneller Malerei mit Öl und Acryl über Zeichnungen, Aquarelle und diversen Druckverfahren bis hin zu Stoffarbeiten, Skulpturen und Installationen. Anna-Lisa Theisen ist eine regelrechte Materialforscherin und holt immer wieder überraschende Ergebnisse, aus den von ihr verwendeten Werkstoffen heraus.

Ihre Arbeit „moth black“ (2014) zeigt eine Ansammlung verschiedener Fluginsekten, die formal an präparierte Insekten in naturwissenschaftlichen Sammlungen erinnert. Diese Sammlungen gehen zurück auf die sogenannten Wunderkammern, die zur Zeit der Renaissance als Vorläufer des modernen Museums entstanden. In diesen enzyklopädischen Sammlungen standen die Werke des Menschen und die Hervorbringungen der Natur gleichberechtigt nebeneinander. Bis heute führt die Sammelleidenschaft von Privatpersonen zum Verschwinden zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Paradoxerweise führt dabei die Faszination für exotische Arten in der westlichen Welt zum Verschwinden ebenjener Arten in tropischen Erdregionen.
Ästhetisch weist Theisens Bild eine gewisse Nähe zu Röntgenaufnahmen oder fotografischen Negativabzügen auf, mit der Folge, dass die abgebildeten Tiere wirken, als wären sie potenziell gefährdet oder bereits verschwunden. Die Künstlerin erweckt diesen Eindruck mit einer von ihr entwickelten Maltechnik – statt Farbe aufzutragen, trägt sie diese von bereits vorgefärbten Leinwänden mit Chlor ab. Chemische Reaktionen führen dabei zu unvorhersehbaren Farbeffekten. Die Abbildung entsteht, indem sie ex negativo zum Verschwinden gebracht wird.

Wie werden sich künftige Generationen an die 10er-Jahre dieses Jahrtausends erinnern? Vermutlich als ein Jahrzehnt in dem gewiss wurde, dass die Folgen menschlichen (Nicht-)Handelns die Zerstörung des Planeten zur Folge haben wird. Vor diesem Hintergrund wird Theisens Interesse am Thema Schutzkleidung verständlich, das sich wie ein roter Faden durch ihr künstlerisches Werk zieht. Kleidungsstücke sind nicht nur Ausdruck der eigenen Individualität und Uniformität, sondern können auch ganz real als Indikatoren für Umweltverschmutzung und klimabedingte Naturkatastrophen gelten. Theisens apokalyptische Kollektionen sind visionäre Reflektionen über das (Über-)Leben mit Strahlung, Smog, Epidemien, Flutwellen und saurem Regen.

Anna-Lisa Theisen (*1988 in Taunusstein. Lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Offenbach) schloss 2015 ihr Malereistudium der an der Frankfurter Städelschule bei Christa Näher ab und absolvierte Studienaufenthalte an der University of Colorado in Boulder (2014) und der Glasgow School of Art (2015). Zurzeit studiert sie Design und Angewandte Kunst an der HfG Offenbach.

www.annalisatheisen.de

Preis auf Anfrage / kunst@wakker-wiesbaden.de

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