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LARS KARL BECKER, KELSO, 2015

1.10. – 1.12.2016 // WAKKER GALLERY (I): LARS KARL BECKER, KELSO, 2015

Lars Karl Becker spielt in seinen Arbeiten mit Erwartungen an Gegenwartskunst und unterläuft so teilweise erstarrte Rezeptionsmuster. Er reflektiert so unterschiedliche Themen wie die Kommunikation von Unternehmen, Alltagsbildern, Werbung oder Produktmarketing. Darüber hinaus artikulieren seine Werke eine Kritik an einem malerischen Formalismus („Painterbation“) und kommentieren das Kunstwerk im Zeitalter seiner Warenförmigkeit.

Beckers Arbeit Kelso (2015) ist Teil eines größeren Werkzusammenhangs, in dem ihm Snickers-Riegel als verbindendes Element dienen. Ausgangsmaterial seiner Serie sind digital erzeugte Werbebilder – sogenannte CGI’s (Computer Generated Images), die mittlerweile die klassische Produktfotografie abgelöst haben. Becker platziert die Produkte ihrer realen Größe entsprechend als Digitaldruck auf PVC und hinterlässt mithilfe von Verdünnern und Lösungsmitteln abstrakte malerische Gesten auf dem Rest des Bildes.

Nur für kurze Zeit!

Der Ausgangspunkt von Beckers Interesse liegt in dem Prinzip der endlosen Wiederholung und Variation eines gleichbleibenden Grundrezepts (Schokolade, Karamell, Nougat und Erdnüsse). Mittels kleiner Veränderungen in Größe, Verpackung, Rezeptur, Portionierung oder Marketing, entsteht eine beinah unbegrenzte Produktpallette, die zudem noch durch „Limited Editions“ gesteigert wird, die eine künstliche Verknappung suggerieren. Becker arbeitet sich gewissermaßen an einem typischen Phänomen der (Post)Moderne ab: der Serienfertigung – oder auf ästhetischer Ebene: Schleifen, Reihen, Loops.

Crapstraction

Formal verweist Beckers Farbfeldmalerei auf einen kürzlichen Boom abstrakter Malerei, die in den letzten Jahren vorwiegend auf Kunstmessen, im Netz und von bestimmten Spekulanten-Sammlern (Stefan Simchowitz) abgefeiert wurde und bei Kritikern hämische Begriffe wie „Zombie-Formalismus“ (Walter Robinson) nach sich zog. Unbestritten ist die Qualität einzelner Arbeiten, doch die meisten dieser Werke sind strenggenommen extrem dekorativ und wie gemacht für moderne Einrichtungen und die Verbreitung auf digitalen Endgeräten.

This is a marketing site

Unterhalb des Riegels befindet sich außerdem der Ausschnitt einer Webseite von Mars Incorporated, dem Hersteller von Snickers. Der Hybrid aus Legal Disclaimer und Mission Statement kann als Indiz für eine neue Art von Marketingkultur von Firmen gelten, die sich heutzutage als besonders verantwortungsvoll und transparent hervortun wollen.

Mit Leichtigkeit thematisiert Becker in seiner Arbeit den kritischen Diskurs um spätkapitalistische Unternehmens- und Marketingstrategien und schließt diesen mit innerkünstlerischen Fragestellungen kurz. Die gesamte Serie gewinnt an Bedeutung und Witz durch die Aneignung der Produktionspolitik des Unternehmens durch den Künstler – jedes neu eingeführte Snickers-Produkt kann ein weiteres Bild nach sich ziehen.

Preis auf Anfrage / kunst@wakker-wiesbaden.de

Lars Karl Becker (*1984 in Hagen) absolvierte zunächst ein Soziologiestudium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2017 wird er sein Studium der Freien Bildenden Kunst an der Städelschule bei Tobias Rehberger abschließen. Seit 2014 betreibt er den Ausstellungsraum „The Tip“ in Sachsenhausen (www.thetip.de). Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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